Live-Entdeckungen werden genauer betrachtet als je zuvor.
Die Zielgruppen gehen selektiver mit ihrer Zeit um, die Erwartungen sind höher und die Marken stehen unter zunehmendem Druck, zu beweisen, dass Live-Erlebnisse einen echten Mehrwert und nicht nur Sichtbarkeit bieten.
Am meisten verändert sich dabei nicht das, was Marken in Live-Umgebungen tun, sondern wie und warum sie so vorgehen. Hier sind die wichtigsten Veränderungen, die wir im Jahr 2026 erleben und was sie in der Praxis bedeuten.
1. Vom ROI zum Return on Experience

Herkömmliche Kennzahlen wie Besucherfrequenz und Reichweite sind immer noch wichtig, aber sie erzählen nicht mehr die ganze Geschichte. Marken konzentrieren sich zunehmend auf den Return on Experience (Roe) – wie sich Menschen während einer Interaktion fühlen, woran sie sich danach erinnern und ob die Erfahrung ihre Wahrnehmung wirklich verändert.
Unsere IMPACT zeigen durchwegs, dass die Stimmung mehr von der Qualität einer Interaktion als von ihrer Dauer bestimmt wird. Kurze, fokussierte Interaktionen, die sich absichtlich anfühlen, kommen besser als längere Engagements an, denen es an Klarheit oder Zielrichtung fehlt.
Wir können auch erkennen, dass die Engagement-Rate ein stärkerer Treiber für eine positive Stimmung ist als die Engagement-Dauer. Es ist wichtiger, mehr Menschen in sinnvoller Weise zu erreichen, als weniger Menschen länger zu halten.
In Live-Umgebungen wird diese Qualität am häufigsten von den Personen geprägt, die die Erfahrung bereitstellen – sie hängt davon ab, wie klar sie kommunizieren, wie sicher sie Interaktionen steuern und wie gut sie sich im Moment anpassen. Hier lässt sich ROE am direktesten spüren.
In der Praxis bedeutet das, dass Erlebnisse so gestaltet werden, dass dabei die Zeit der Menschen respektiert wird, sie leicht zugänglich ausgestaltet werden und schnell einen Mehrwert bieten – ohne dass man sich gehetzt fühlt.
2. Technologie, die leise im Hintergrund arbeitet
Technologie spielt bei Live-Events weiterhin eine wichtige Rolle; ihre Präsenz wird jedoch immer subtiler.
Tools wie KI und Datenplattformen stehen nicht mehr im Mittelpunkt, sondern werden zunehmend eingesetzt, um die Planung zu verbessern, Reibungsverluste zu reduzieren und Erlebnisse in Echtzeit anzupassen. Ist die Technologie gut in das Gesamtumfeld eingebettet, bemerken sie die Teilnehmer nicht; sie erfahren dann einfach einen reibungsloseren Ablauf, eine klarere Kommunikation und eine bessere Bereitstellung.
Wir können diesen Wandel auch auf der Ebene der Veranstaltungsorte erkennen. Beim Ausbau der Infrastruktur geht es nicht mehr um Neuheiten, sondern um die Erfüllung einer grundlegenden Erwartung an die Qualität. Entwicklungen wie intelligentere AV-Systeme und immersive Audio-Umgebungen verbessern das Erlebnis, ohne dabei Aufmerksamkeit zu erfordern.
Hier bietet die Technologie den größten Mehrwert: Sie unterstützt menschliche Momente, anstatt mit ihnen zu konkurrieren. Wenn die Technologie leise im Hintergrund arbeitet, erhalten die Teams vor Ort ausreichend Raum, um sich darauf zu konzentrieren, das Publikum in Echtzeit zu führen, eine Verbindung zu ihm aufzubauen und schnell auf seine Anforderungen zu reagieren.
3. Engagement weicht einer starken Verbindung

2026 verlagert sich das Gespräch jedoch in Richtung Verbindung.
Das Publikum sucht nach Erlebnissen, die sich menschlich anfühlen, es emotional ansprechen und es wert sind, dabei zu sein. Da so viele Inhalte heute virtuell verfügbar sind, liegt der Mehrwert einer Anwesenheit vor Ort weniger im Volumen als vielmehr in der gemeinsamen Erfahrung.
Dies zeigt sich in der wachsenden Nachfrage nach:
• Zeit für Verbindungen, nicht nur zum Konsumieren
• Flexibilität und Auswahl innerhalb der Veranstaltungspläne
• Räumen, die eher zum Gespräch als zu ständiger Aktivität anregen
Nachhaltige Verbindungen müssen nicht komplex sein. Oft entsteht eine solche Verbindung durch ein ruhigeres Tempo, ein durchdachtes Design und die Freiheit, sich zu seinen eigenen Bedingungen zu engagieren.
4. Qualität in großem Maßstab

Größere Events werden nicht verschwinden, aber die Art und Weise, wie wir sie erleben, verändert sich zunehmend.
Bei großen Events konzentrieren sich Marken zunehmend auf die Gestaltung kleinerer, zielgerichteter Momente, die sich persönlich, klar und gut getaktet anfühlen. Diese Momente sind wiederum Teil viel größerer Erlebnisse, aber oft lässt sich die Wirkung dort am stärksten spüren.
So können sich die Teams vor Ort auf die Qualität der Interaktion konzentrieren, anstatt nur die Menge zu kontrollieren. Zudem können sie die Menschen reibungslos führen, Fragen souverän beantworten und sich in Echtzeit auf das Geschehen einstellen.
Unsere Daten zeigen auch, dass schlecht strukturierte oder zu lange Interaktionen noch stärker zu negativen Gefühlen führen als wenn gar keine Interaktion stattfindet. Dies unterstreicht die Bedeutung von Klarheit, eines stringenten Flusses und einer starken Zielgerichtetheit, insbesondere wenn das Publikum wählerischer mit der Frage umgeht, wo es seine Aufmerksamkeit investiert.
Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2026 mehr Marken Netzwerke aus bewussten Momenten entwickeln werden, anstatt sich auf eine einzige, dann unter hohem Druck stehende Interaktion zu verlassen, die die gesamte Arbeit erledigen soll.
5. Hybride Events, neu definiert
Hybride Events spielen zwar weiterhin eine Rolle, doch ihr Zweck entwickelt sich weiter.
Hybride Formate sind nicht mehr nur eine Notlösung, sondern werden zunehmend entwickelt, um einen besseren Zugang zu ermöglichen, die Reichweite zu erhöhen und das Multi-Touch-Engagement vor und nach dem Live-Moment zu unterstützen. Der Fokus liegt nicht mehr auf der Replikation des Online-Raums, sondern auf der Schaffung von sinnvollen Einstiegspunkten für verschiedene Zielgruppen – egal wo sie sich befinden.
Wenn sie sinnvoll eingesetzt werden, sind hybride Formate eine echte Bereicherung und treten nicht in Konkurrenz zu bestehenden Lösungen.
6. Zweck und Nachhaltigkeit sind die zentrale Grundlage

Das Publikum möchte verstehen, warum ein Event stattfindet, wie verantwortungsbewusst es durchgeführt wird und ob diese Entscheidungen tatsächlich authentisch und nicht nur kosmetisch sind. Nachhaltigkeit fällt oft am deutlichsten auf, wenn sie fehlt.
Diese Erwartung beeinflusst nun zunehmend das Verhalten. 44 % der Veranstaltungsteilnehmer geben an, dass sie eher wieder an Veranstaltungen teilnehmen, die Verantwortung für ihre Umwelt zeigen (Wifi Talents, 2025). Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Gespräch über Werte, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Loyalität sowie beim langfristigen Engagement.
Doch wie Nachhaltigkeit zum Vorschein kommt, verändert sich. Der Fokus verlagert sich von sichtbaren Gesten auf das Systemdesign: Digital-First-Programme, lokale Lieferanten, eine wiederverwendbare Infrastruktur, energieeffiziente AV und intelligentere Ressourcennutzung. Auch die komfortorientierte Nachhaltigkeit rückt zunehmend in den Fokus – gute Akustik, eine barrierefreie Gestaltung, bessere Luftqualität und inklusives Design.
Wenn Nachhaltigkeit von Anfang an Teil des Konzepts ist, muss sie nicht übererklärt werden. Sie wird so einfach ein Teil einer Erfahrung, die sich durchdacht, glaubwürdig und menschlich anfühlt.
Was das für das Jahr 2026 bedeutet

Insgesamt weisen diese Verschiebungen in eine klare Richtung. Live-Erlebnisse im Jahr 2026 werden weniger nach ihrem Ausmaß und Spektakel beurteilt, sondern mehr nach ihrer Relevanz, Qualität und Wirkung.
Für Marken liegt die Chance in:
• einem Design mit Zielhaftigkeit statt mit Übermaß
• der Nutzung von Daten, um Entscheidungen zu treffen, nicht um sie zu diktieren
• einem Ausgleich zwischen Technologie und einer echten menschlichen Verbindung
Bei der Zukunft von Live-Erlebnissen geht es nicht darum, mehr zu tun.
Vielmehr geht es darum, Dinge besser und wichtig zu machen.


